Aschenputtel – pädagogisch wertvolle Version
In der Schule am Neuen Teich roch es am Morgen des Weihnachtsmärchens verdächtig nach Aufregung und einem Hauch von Bühnennebel – also nach genau der Mischung, wenn die legendäre Lehrertheatergruppe wiedereinmal ein Grimm’sches Märchen auf die Bühne bringt.
Schon beim ersten Anblick von Aschenputtel, gespielt von Schulsozialarbeiterin Frau Tesch, war klar: Diese junge Dame braucht keinen Zauberbaum. Sie braucht höchstens einen gut strukturierten Wochenplan und ein bisschen Glitzer. Mit Besen in der Hand und pädagogisch geschultem Blick, fegte sie nicht nur die Bühne, sondern auch gleich die Herzen der Zuschauer frei.
Frau Springer hingegen verwandelte sich mit beeindruckender Hingabe in die fiese Stiefmutter. Die beiden garstigen Stiefschwestern stolzierten, zickten und zeterten über die Bühne, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Unser Schulleiter, Herr Petzak, war ein Anblick für die Ewigkeit: majestätisch, würdevoll und mit einer Krone, die verdächtig nach dem letzten Kunstprojekt aussah, organisierte der mit Königin, Frau Jenderny, den Ball. Heimlich überlegten die Zwei aber wohl, wie man das Ganze in eine Unterrichtseinheit verwandeln könnte. Der Prinz, dargestellt von Herrn Schmalfeldt, war so heiratsmüde, dass man ihm zwischendurch fast ein Kissen gereicht hätte. Doch tapfer suchte er weiter nach der Einen – oder nach jemandem, dem der Schuh passte und der nicht sofort über das Bühnenbild stolperte. Damit niemand den Überblick verlor, führte Rene Thiel, ehemaliger Kollege und nun offizieller Märchen-Erklärbär mit sonorer Stimme durch das Geschehen. Unsere beiden Hausmeister, Herr Wahls und Herr Bangert, sorgten im Hintergrund dafür, dass weder Kronleuchter noch Tauben von der Decke fielen – ein oft unterschätzter Beitrag zum pädagogischen Gesamterfolg.
Am Ende gab es natürlich ein Happy End: Aschenputtel bekam den Prinzen, Stiefmutter und Schwestern pädagogische Denkanstöße und das Publikum Bauchmuskeln vom Lachen.